Die Lage der Cybersicherheit in Deutschland im internationalen Vergleich - Prof. Dr. Norbert Pohlmann
Die Lage der Cybersicherheit in Deutschland im internationalen Vergleich | |
![]() | N. Demir, Prof. Norbert Pohlmann (Institut für Internet-Sicherheit): Cybersicherheit in Deutschland im internationalen vergleich Weltweit sind mehr als 347.000 Schwachstellen dokumentiert[1], von denen rund 1.700 nachweislich aktiv ausgenutzt werden[2] und Millionen IT-Systeme betreffen. Die Bedrohung wächst zudem weiter, beschleunigt durch den Einsatz von KI. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) verzeichnet inzwischen 119 neue Schwachstellen pro Tag – ein Viertel mehr als im Vorjahr und drei Viertel mehr als noch 2022.(3] Die Angriffsfläche von Organisationen wächst damit schneller, als sie sich absichern lässt. Für einen erfolgreichen Angriff braucht es dabei selten ausgefeilte Methoden. Als Einstieg genügt häufig ein einziges IT-System, das ohnehin aus dem Internet erreichbar ist, etwa ein veraltetes Content-Management-System, eine offen zugängliche Datenbank oder ein exponiertes Administrations-Panel. Wie schwer die Folgen sein können, zeigte der Angriff auf die Südwestfalen IT im Oktober 2023. Die Gruppe Akira gelangte über einen aus dem Netz erreichbaren VPN-Zugang ohne Mehr-Faktor-Authentisierung in das Netz des kommunalen Dienstleisters. Betroffen waren in der Folge über 70 Kommunen. Bürgerbüros, Kfz-Zulassung und Meldewesen standen wochenlang still, Steuern und Gebühren ließen sich nicht einziehen. Ein einzelnes exponiertes IT-System im Internet reichte, um die Verwaltung einer ganzen Region lahmzulegen. Was die Analyse misstDatenbasis dieses Beitrags ist die Threat-Intelligence-Plattform der SecuSeek GmbH.[4] Die dort eingesetzten Prüfverfahren stammen aus der Forschung zur internetweiten Sicherheitsmessung, entstanden in Zusammenarbeit mit dem Institut für Internet-Sicherheit – if(is) an der Westfälischen Hochschule sowie mit Wissenschaftlern der Stanford University, der UC Davis und der Washington University in St. Louis. Untersucht werden die tatsächlich eingesetzten IT-Systeme und Anwendungen, etwa Web- und Mailserver, VPN-Zugänge, Datenbanken und die dahinterliegende Server- und DNS-Infrastruktur. Im Zentrum steht die Frage, ob ein IT-System bekannte Schwachstellen aufweist, wie schwer diese wiegen und ob sie bereits aktiv ausgenutzt werden. Dafür werden die eingesetzten Technologien samt Versionsstand mit den etablierten Kennungen CVE, CWE und CVSS abgeglichen. Darüber hinaus erfasst die Plattform Fehlkonfigurationen, aus dem Netz exponierte Dienste und Ports, eine unzureichend abgesicherte Mail- und DNS-Infrastruktur sowie öffentlich auffindbare Zugangsdaten. Aus den Einzelbefunden berechnet sie zusätzlich einen zusammenfassenden Resilienzwert je Ziel. Erfasst sind auf diese Weise mehr als 250 Millionen IT-Assets. Jeder Fund wird einem Zielsystem, einer Region und, soweit die Daten es zulassen, einer Organisation zugeordnet. Für diesen Beitrag ausgewertet wurden über 15 Millionen der wichtigsten öffentlich erreichbaren IT-Systeme weltweit, darunter rund 600.000 in Deutschland, aggregiert auf Länder, Sektoren und Bundesländer. Deutschland im besseren DrittelUm die Lage vergleichbar zu machen, verdichtet die Plattform die Schwachstellenfunde eines Landes zu einer Risikodichte. Sie beschreibt, wie verbreitet angreifbare IT-Systeme in einem Land sind, und gibt an, welcher Anteil der erfassten IT-Assets Schwachstellen aufweist. Daneben weist sie den Anteil mit Schwachstellen hoher Schwere aus und den Anteil, der von aktiv ausgenutzten Schwachstellen betroffen ist. Am oberen Ende der Skala stehen osteuropäische und asiatische Staaten. Belarus führt mit einer Risikodichte von 72 Prozent, gefolgt von Russland mit 71 und Südkorea mit 67 Prozent. Deutschland liegt mit 34 Prozent im besseren Drittel der 195 ausgewerteten Länder; rund 140 Länder weisen eine höhere Risikodichte auf. Gut ein Drittel der öffentlich erreichbaren Assets trägt damit mindestens eine Schwachstelle. Abbildung 2 zeigt die weltweite Risikodichte, mit Deutschland hervorgehoben. Innerhalb Europas gehört Deutschland zum besseren, aber nicht zum führenden Feld. Sicherer aufgestellt sind mehrere andere europäische Staaten, darunter Finnland (29 %), die Schweiz (30 %), Schweden (32 %) sowie Dänemark und Irland (je 33 %). Höhere und damit schlechtere Werte weisen die Niederlande (37 %), Italien und Spanien (je 40 %), Frankreich (43 %) und Polen (47 %) auf. Unter den 27 EU-Staaten rangiert Deutschland damit etwa auf Rang sieben, klar sicherer als die großen Nachbarn Frankreich und Polen. Bemerkenswert sind die USA: Sie führen mit über 1,5 Millionen erfassten Assets den mit Abstand größten Bestand und liegen mit 30 Prozent dennoch niedriger als Deutschland. Das zeigt, dass hier noch Verbesserungspotenzial vorhanden ist. … kostenlos downloaden
|
![]() | |




