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Cyber Defense - Prof. Dr. Norbert Pohlmann

Cyber Defense

Cyber Defense

Was ist Cyber Defense?

Cyber Defense, auch Cyberabwehr oder Cyberverteidigung genannt, bezeichnet alle aktiven Maßnahmen, mit denen Organisationen und Staaten ihre IT-Systeme, Netzwerke und Daten gegen Cyber-Angriffe verteidigen. Grundannahme ist, dass Angriffe trotz aller Vorkehrungen stattfinden. Menschen, Prozesse und Technologie sind bei Cyber Defense darauf ausgerichtet, Angriffe zu verhindern, früh zu erkennen und wirksam abzuwehren.

Die zentralen Merkmale von Cyber Defense im Überblick:

  • Bedrohungen vorausschauend analysieren und Schwachstellen schließen (Prävention)
  • Angriffe in Echtzeit erkennen und bewerten (Detektion)
  • Auf Vorfälle koordiniert reagieren und Schäden begrenzen (Reaktion)
  • Wissen über Angreifer und ihre Methoden systematisch nutzen (Threat Intelligence)


Welche Bausteine gehören zu Cyber Defense?

Die Maßnahmen von Cyber Defense lassen sich in fünf Bausteine ordnen:

Prävention:
Organisationen verkleinern ihre Angriffsfläche, schließen Schwachstellen nach Priorität, härten IT-Systeme und kontrollieren Zugriffe.

Detektion:
Sensoren wie Endpoint Detection and Response (EDR), Intrusion-Detection-Systeme (IDS) und ein Security Information and Event Management (SIEM) sammeln und korrelieren sicherheitsrelevante Ereignisse. Ein Security Operations Center (SOC) bewertet die Alarme rund um die Uhr.

Reaktion (Incident Response):
Eingespielte Prozesse regeln, wer im Ernstfall welche Aufgabe übernimmt. Dazu gehören das Isolieren betroffener IT-Systeme, das Aussperren der Angreifer, die Beweissicherung und die Wiederherstellung des Betriebs. Computer Emergency Response Teams (CERTs) unterstützen dabei organisationsübergreifend.

Threat Intelligence:
Aufbereitete Informationen über Angreifergruppen, ihre Werkzeuge und ihre Angriffsspuren fließen in Prävention und Detektion zurück und ermöglichen eine vorausschauende Verteidigung.

Threat Hunting:
Als aktivste Form der Cyber Defense suchen Analysten proaktiv nach Angreifern, die die automatisierte Erkennung umgangen haben.


Staatliche und militärische Cyber Defense

In Deutschland koordiniert das Nationale Cyber-Abwehrzentrum (Cyber-AZ) die Cyberabwehr auf staatlicher Ebene. Es ist eine Kooperationsplattform von acht Kernbehörden, ist selbst aber keine Behörde. Beteiligt sind unter anderem BSI, BKA, Bundespolizei, Verfassungsschutz, BND und Bundeswehr. Das Zentrum erstellt ein gemeinsames Lagebild, bewertet Vorfälle von nationaler Bedeutung und entwickelt abgestimmte Handlungsempfehlungen.

Die militärische Cyberverteidigung liegt bei der Bundeswehr. Der Organisationsbereich Cyber- und Informationsraum (CIR) wurde 2017 aufgestellt und ist seit 2024 eine eigene Teilstreitkraft. Er schützt die IT-Systeme der Bundeswehr im Inland und im Einsatz und trägt zur gesamtstaatlichen Cyberabwehr bei. Einsätze im Cyber-Raum unterliegen denselben rechtlichen Voraussetzungen wie alle Einsätze der Streitkräfte.

Auch die NATO verteidigt den digitalen Raum. Seit dem Gipfel von Warschau 2016 gilt der Cyber-Raum als eigenständiges Operationsgebiet.


Active Cyber Defense und Hackback

Active Cyber Defense bezeichnet nach der US-Definition CNSSI 4009 die Fähigkeit, Bedrohungen in Echtzeit zu entdecken, zu analysieren und einzudämmen. Dazu zählen etwa Honeypots und ganze Täuschungsumgebungen (Deception Technology), mit denen Verteidiger Angreifer beobachten und Wissen über deren Vorgehen gewinnen. Alle diese Maßnahmen finden innerhalb der eigenen IT-Systeme statt.

Davon zu trennen ist der Hackback. Er bezeichnet den digitalen Gegenangriff auf die IT-Systeme des Angreifers. Die Bundesregierung lehnt Hackbacks ab. Die Nationale Sicherheitsstrategie 2023 schließt sie prinzipiell aus. Zugleich baut der Bund seine Fähigkeiten zur aktiven Cyberabwehr aus. Wo dabei die Grenze zum Hackback verläuft, ist politisch und rechtlich umstritten, auch weil sich die Urheber eines Angriffs selten zweifelsfrei identifizieren lassen und rechtliche Risiken sowie Eskalationsgefahr bestehen. Für Unternehmen ist der Hackback keine Option. Ihre Cyber Defense findet ausschließlich innerhalb der eigenen IT-Systeme statt.


Wo liegt der Unterschied zwischen Cyber Defense und Cyber Security?

Cyber Security (Cyber-Sicherheit) ist der Oberbegriff. Sie umfasst alle Aspekte des Schutzes von IT-Systemen im Cyber-Raum, von Governance und Compliance über sichere Architektur bis zur Awareness. Cyber Defense ist der operative, verteidigungsorientierte Teil davon. Ihr Kern ist die direkte Auseinandersetzung mit Angreifern. Sie erwartet, erkennt, analysiert und stoppt Angriffe.

Cyber Security fragt, wie sich IT-Systeme sicher gestalten lassen. Cyber Defense fragt, wie sich laufende und kommende Angriffe abwehren lassen. Auch die Arbeitsweise unterscheidet sich. Klassische Schutzmaßnahmen wie Firewalls und Verschlüsselung wirken passiv, während Cyber Defense aktiv und kontinuierlich arbeitet, etwa mit Monitoring, Threat Hunting und geübten Reaktionsprozessen. Beide ergänzen sich. Wirksame Verteidigung setzt eine solide Sicherheitsbasis voraus.


Vorteile von Cyber Defense, Risiken & Herausforderungen


Vorteile von Cyber Defense

Kürzere Reaktionszeiten: Wer Angriffe früh erkennt, begrenzt Schäden, bevor sie sich ausbreiten.

Handlungsfähigkeit im Ernstfall: Geübte Prozesse halten Organisationen auch während eines Angriffs arbeitsfähig.

Wissensvorsprung: Threat Intelligence und Threat Hunting decken Angreifer und ihre Methoden auf, ohne auf Alarme zu warten.


Risiken von Cyber Defense

Scheinsicherheit: Werkzeuge ohne geübte Prozesse und klare Zuständigkeiten wehren keine Angriffe ab.

Rechtsverstöße: Beim Verfolgen von Angreifern geraten Teams schnell in fremde IT-Systeme. Solche Eingriffe sind strafbar, auch wenn sie der Verteidigung dienen.


Herausforderungen von Cyber Defense

Fachkräftemangel: Detektion und Reaktion rund um die Uhr erfordern Spezialisten, die viele Organisationen nicht besetzen können. Auswege sind Dienste wie Managed Detection and Response (MDR).

Zusammenspiel der Akteure: Unternehmen, CERTs und Behörden müssen Meldewege und Verantwortlichkeiten klären, bevor der Ernstfall eintritt.


Cyber Defense
Abbildung: Cyber Defense – © Copyright-Vermerk


Cyber Defense: Fragen und Antworten


Häufige Fragen (FAQ)

Was bedeutet Cyber Defense auf Deutsch?

Cyberabwehr oder Cyberverteidigung. Gemeint ist die aktive Verteidigung von IT-Systemen, Netzwerken und Daten gegen Cyber-Angriffe.

Welche Bausteine gehören zu Cyber Defense?

Prävention, Detektion, Reaktion (Incident Response), Threat Intelligence und Threat Hunting, getragen von Menschen, Prozessen und Technologie.

Gibt es eine offizielle Definition von Cyber Defense?

Keine einheitliche. Das US-Glossar NIST CSRC definiert Cyberspace Defense und Active Cyber Defense. BSI und NATO verwenden Cyberabwehr beziehungsweise Cyber Defence institutionell, ohne normative Einzeldefinitionen.

Was ist das Nationale Cyber-Abwehrzentrum?

Eine Kooperationsplattform von acht deutschen Behörden, unter anderem BSI, BKA und Bundeswehr, zur gemeinsamen Bewertung und Koordination bei Cyber-Vorfällen von nationaler Bedeutung.

Welche Rolle spielt die Bundeswehr bei der Cyberverteidigung?

Der Organisationsbereich Cyber- und Informationsraum (CIR), seit 2024 eigene Teilstreitkraft, schützt die IT-Systeme der Bundeswehr und trägt zur gesamtstaatlichen Cyberabwehr bei.

Was bedeutet Active Cyber Defense?

Aktive Verteidigungsmaßnahmen in Echtzeit innerhalb der eigenen IT-Systeme, etwa Honeypots, mit denen Verteidiger Angreifer beobachten und Bedrohungen eindämmen.

Ist ein Hackback Teil von Cyber Defense?

Nein. Der digitale Gegenangriff ist rechtlich und politisch umstritten, die Bundesregierung lehnt Hackbacks prinzipiell ab. Cyber Defense in Unternehmen bleibt defensiv.

Warum reicht Prävention allein nicht aus?

Weil professionelle Angreifer Schutzmaßnahmen umgehen. Erst Detektion und geübte Reaktion begrenzen den Schaden, wenn ein Angriff durchkommt.

Wie starten Unternehmen mit Cyber Defense?

Mit einer Bestandsaufnahme der Erkennungsfähigkeiten und einem Incident-Response-Plan. Fehlt eigenes Personal für den Betrieb rund um die Uhr, helfen externe Dienste wie MDR oder ein ausgelagertes SOC.

Quellenangabe:

BSI (Nationales Cyber-Abwehrzentrum)

Bundeswehr (Kommando Cyber- und Informationsraum)

NATO (Cyber Defence)

NIST CSRC (Active Cyber Defense)

Bundesregierung (Nationale Sicherheitsstrategie 2023, PDF)

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Computer Emergency Response Team (CERT)

Zukünftige Verlinkungen:

Managed Detection and Response (MDR)

Autor:
Prof. Dr. Norbert Pohlmann
Informatikprofessor für Cyber-Sicherheit und Leiter des Instituts für Internet-Sicherheit, der Westfälischen Hochschule.

Stand: 09. September 2026


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Cyber Defense umfasst alle präventiven, detektierenden und reaktiven Maßnahmen, mit denen Organisationen und Staaten ihre IT-Systeme laufend aktiv gegen Cyber-Angriffe verteidigen.
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