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Return on Security Investment-Analyse des Cyberdomes – Modellrechnung sieht auch im konservativen Szenario milliardenschweren Nutzen

Return on Security Investment-Analyse des Cyberdomes - Modellrechnung sieht auch im konservativen Szenario milliardenschweren Nutzen

Prof. Norbert Pohlmann (Institut für Internet-Sicherheit), L. Zimmermann:
”Return on Security Investment”-Analysedes Cyberdomes – Modellrechnung sieht auch im konservativen Szenario milliardenschweren Nutzen“,
IT-Sicherheit – Mittelstandsmagazin für Informationssicherheit und Datenschutz,
DATAKONTEXT-Fachverlag, 5/2026


Eine Modellrechnung der Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen schätzt den wirtschaftlichen Ertrag eines nationalen Cyberabwehrsystems ab. Ergebnis: Die politisch diskutierten Investitionskosten von ein bis zwei Milliarden Euro fallen gegenüber den vermeidbaren Schäden gering aus.

Cyberangriffe verursachen in Deutschland inzwischen Schäden in dreistelliger Milliardenhöhe. Laut der Bitkom-Studie „Wirtschaftsschutz 2025″ summierte sich der Gesamtschaden durch Wirtschaftsspionage, Sabotage und Cyberkriminalität zuletzt auf 289,2 Milliarden Euro, wobei rund 70 Prozent davon auf Cyberangriffe im engeren Sinne entfielen.1″ Gleichzeitig hält laut Bitkom nur eine Minderheit von 40 Prozent der Unternehmen Deutschland für gut auf großflächige Cyberangriffe vorbereitet, und 39 Prozent verfügen über kein eigenes Notfallmanagement.

Vor diesem Hintergrund arbeiten das Bundesinnenministerium und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) an einem Konzept für einen sogenannten Cyberdome – ein zentrales, organisationsübergreifendes Verteidigungssystem gegen Cyberangriffe. Im politischen Umfeld wird dafür ein Kostenrahmen von ein bis zwei Milliarden Euro genannt. Ob sich diese Investition wirtschaftlich begründen lässt, prüft die folgende Modellrechnung nach dem Return on Security Investment (RoSI).


Was ein Cyberdome leisten soll

Ein Cyberdome ist ein umfassendes Verteidigungssystem, dessen Ziel es ist, die digitalen Infrastrukturen eines Landes zentral zu schützen. Es bündelt präventive, detektive und reaktive IT-Sicherheitsmechanismen in einer zentral koordinierten Plattform.

Vier Funktionen bilden dabei das Rückgrat: Der präventive Schutz erfasst kontinuierlich Bedrohungsdaten und tauscht sie zwischen den beteiligten Organisationen aus. Die Erkennung und Analyse überwachen angeschlossene IT-Systeme in Echtzeit und identifiziert Angriffsmuster. Reaktion und Wiederherstellung leiten automatisierte oder halbautomatisierte Gegenmaßnahmen ein, etwa das Blockieren kompromittierter IP-Adressen. Die kontinuierliche Verbesserung speist jeden bearbeiteten Vorfall in neue Filterlisten, Signaturen und Reaktionspläne ein.

Technisch stützt sich das Konzept auf Sensoren in IT-Systemen, ein gemeinsames Security-Information-and-Event-Management-(SIEM)-System zum Abgleich mit bekannten Angriffs-mustern sowie ein „Security Orchestration, Automation and Response”-(SOAR)-System für automatisierte Gegenmaßnahmen. Organisatorisch eingebettet sind diese Bausteine in Security Operations Center (SOC), die untereinander Informationen austauschen. Ein SOC ist kein neues Konzept: ein Team von IT-Sicherheitsexperten, das die IT-Infrastruktur einer Organisation überwacht und auf Vorfälle reagiert, oft ergänzt durch einen externen Managed Security Service Provider. [15] Neu am Cyberdome ist nicht das einzelne SOC, sondern dessen Vernetzung
über Organisations- und Unternehmensgrenzen hinweg. Der wirtschaftliche Mehrwert soll dabei weniger durch einzelne Technologien als durch die kollektive Koordination und gemeinsame Lagebilder entstehen.

Einen funktionierenden Cyberdome im Wirkbetrieb gibt es bereits in Israel, auf den sich der deutsche Sicherheitspakt beruft. Allerdings lässt sich das Modell nicht direkt übertragen, da rechtliche Rahmenbedingungen wie das Trennungsgebot zwischen Polizei und Nachrichtendiensten sowie der deutsche Föderalismus hierzulande andere Voraussetzungen schaffen.[5]


Gründe für die kollektive Betrachtung

Die RoSI-Analyse betrachtet nicht einzelne Unternehmen und Organisationen, sondern alle Beteiligten gemeinsam. Dafür sprechen vier Gründe:

  • Wirtschaftlicher Schaden: Der Schade aus Cyberkriminalität trifft die Volkswirtschaft als Ganzes. Er lässt sich daher nur senken, wenn alle Organisationen in Deutschland gemeinsam daran arbeiten.
  • Hybride Kriegsführung: Die hybride Kriegsführung richtet sich gegen Staat und Gesellschaft. Einzelne Unternehmen verfügen weder über die rechtlichen noch über die technischen Mittel, um koordinierten, staatlich gelenkten Angriffen wirksam zu begegnen. Der Schutz liegt damit primär in staatlicher Zuständigkeit und lässt sich nicht auf eine einzelbetriebliche RoSI-Betrachtung übertragen. Ein gemeinsames Verteidigungssystem soll hier ansetzen.

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