Was ist eine Bedrohungsanalyse?
Eine Bedrohungsanalyse (auch Gefahrenanalyse genannt) ist ein systematischer Prozess zur Identifikation, Bewertung und Priorisierung potenzieller Bedrohungen für IT-Systeme, Daten und Geschäftsprozesse. Sie beantwortet die Frage, welche Angreifer und Angriffswege eine Organisation realistisch treffen können und welcher Schaden dabei entstehen würde. Im internationalen Sprachgebrauch ist das Verfahren als Threat Assessment bekannt. Auf dieser Grundlage setzen Organisationen ihre begrenzten Ressourcen gezielt dort ein, wo das Risiko am größten ist. Deshalb bildet die Bedrohungsanalyse das Fundament für Risikomanagement, Sicherheitskonzepte und Notfallplanung. Die typischen Schritte einer Bedrohungsanalyse im Überblick: - Schützenswerte Güter (Assets) und ihren Schutzbedarf bestimmen
- Mögliche Bedrohungen und Angriffswege entlang der eigenen Angriffsfläche identifizieren
- Eintrittswahrscheinlichkeit und Schadenspotenzial bewerten
- Ergebnisse priorisieren und passende Schutzmaßnahmen ableiten
Wie läuft eine Bedrohungsanalyse ab?Der Ablauf folgt in der Praxis meist einem wiederkehrenden Zyklus, den Sicherheitsteams an die eigene Organisation anpassen. Er orientiert sich an etablierten Standards wie dem BSI-Standard 200-3 zur Risikoanalyse auf der Basis von IT-Grundschutz und der NIST Special Publication 800-30 und umfasst typischerweise fünf Schritte: Untersuchungsbereich festlegen: Am Anfang steht die Abgrenzung: Welche IT-Systeme, Prozesse oder Standorte betrachtet die Analyse? Informationen sammeln: Anschließend fließen relevante Daten zusammen, zum Beispiel aus Threat Intelligence, Logdaten, Schwachstellen-Scans und aktuellen Lageberichten wie dem jährlichen BSI-Lagebericht zur IT-Sicherheit in Deutschland. Gefährdungsübersicht erstellen und Bedrohungen modellieren: Eine Gefährdungsübersicht zeigt, welchen Gefährdungen die betrachteten Zielobjekte ausgesetzt sind. Als Ausgangspunkt dienen etablierte Bedrohungskataloge wie die elementaren Gefährdungen des BSI, ergänzt um organisationsspezifische Bedrohungen und strukturierte Modellierungsmethoden. Bewerten und Priorisieren: Danach folgt die Bewertung jeder Bedrohung nach Eintrittshäufigkeit und Schadensausmaß. Dies wird oft in einer Risikomatrix dargestellt, aus welcher sich die Priorität ergibt. Maßnahmen ableiten: Zum Schluss entstehen konkrete Empfehlungen, deren Umsetzung die Verantwortlichen nachverfolgen.
Welche Methoden gibt es für die Bedrohungsanalyse?Für die strukturierte Modellierung von Bedrohungen haben sich mehrere Methoden etabliert, die sich je nach Einsatzzweck ergänzen: STRIDE: Das von Microsoft entwickelte Modell ordnet Bedrohungen sechs Kategorien zu: Identitätstäuschung (Spoofing), Manipulation (Tampering), Abstreitbarkeit (Repudiation), Informationspreisgabe (Information Disclosure), Dienstverweigerung (Denial of Service) und Rechteausweitung (Elevation of Privilege). STRIDE eignet sich besonders für das Threat Modeling in der Softwareentwicklung, weil es Angriffspunkte bereits im Entwurf sichtbar macht. Cyber Kill Chain: Das Modell von Lockheed Martin beschreibt einen Angriff als Abfolge von sieben Phasen, von der Aufklärung bis zum eigentlichen Ziel des Angreifers. Es hilft zu erkennen, an welcher Stelle sich ein Angriff frühestmöglich unterbrechen lässt. MITRE ATT&CK: Das frei verfügbare Framework dokumentiert die Taktiken, Techniken und Prozeduren (TTPs) realer Angreifergruppen in einer laufend gepflegten Wissensdatenbank. SOC-Teams nutzen es, um beobachtetes Angreiferverhalten einheitlich zu beschreiben und die eigene Erkennung gezielt zu verbessern.Elementare Gefährdungen des BSI: Das IT-Grundschutz-Kompendium enthält einen Katalog von 47 elementaren Gefährdungen. Er deckt neben gezielten Angriffen auch höhere Gewalt, technisches Versagen und menschliche Fehlhandlungen ab und dient nach BSI-Standard 200-3 als Startpunkt für die Gefährdungsübersicht.
Bedrohungsanalyse und Risikoanalyse: Wo liegt der Unterschied?Beide Begriffe hängen eng zusammen, bezeichnen jedoch unterschiedliche Perspektiven. Die Bedrohungsanalyse betrachtet die Ursache: Sie fragt, welche Angreifer, Schadprogramme oder Ereignisse einer Organisation gefährlich werden können. Die Risikoanalyse verbindet diese Bedrohungen anschließend mit vorhandenen Schwachstellen und den möglichen Auswirkungen auf das Unternehmen. Daraus entsteht eine Risikobewertung als Grundlage für Entscheidungen. Die Bedrohungsanalyse liefert den inhaltlichen Input, die Risikoanalyse bewertet diese Erkenntnisse aus geschäftlicher Perspektive. Besonders wirksam wird die Bedrohungsanalyse durch Cyber Threat Intelligence. Aktuelle Erkenntnisse zu Angreifergruppen, Motiven und Vorgehensweisen machen die Einschätzung deutlich realistischer.
Bedrohungsanalyse in der Cyber-SicherheitSecurity Operations Center (SOC): Analysten priorisieren Alarme danach, welche Bedrohungen für die eigene Organisation am relevantesten sind. Sichere Softwareentwicklung: Beim Threat Modeling analysieren Entwicklungsteams neue Anwendungen bereits im Entwurf auf Angriffspunkte. Penetrationstests: Die Analyse zeigt, welche Angriffsszenarien ein Test realistisch nachstellen sollte. Notfall- und Kontinuitätsplanung: Wer die wahrscheinlichsten Bedrohungen kennt, bereitet passende Notfallpläne vor. Compliance: Standards und Regularien wie ISO 27001, der BSI-IT-Grundschutz, DSGVO oder NIS-2 verlangen einen risikobasierten Ansatz, der ohne Bedrohungsanalyse nicht funktioniert.
Vorteile einer Bedrohungsanalyse, Risiken & Herausforderungen Vorteile einer Bedrohungsanalyse
Klarer Fokus: Sicherheitsbudgets fließen in die Maßnahmen mit dem größten Effekt. Frühzeitige Erkennung:Organisationen erkennen gefährliche Entwicklungen, bevor daraus Vorfälle werden. Bessere Entscheidungen: Die Geschäftsführung erhält eine nachvollziehbare Grundlage für Sicherheitsinvestitionen. Compliance-Nachweis: Die dokumentierte Analyse unterstützt Audits und Zertifizierungen. Risiken einer Bedrohungsanalyse
Begrenzte Aktualität: Die Bedrohungslage ist dynamisch und verändert sich laufend. Eine veraltete Analyse vermittelt deshalb schnell falsche Sicherheit. Unvollständige Daten: Fehlen wichtige Informationen, bleiben relevante Bedrohungen unentdeckt. Fehleinschätzungen: Wahrscheinlichkeiten und Schadenshöhen beruhen teilweise auf Annahmen und Erfahrungswerten. Herausforderungen einer Bedrohungsanalyse
Dynamische Bedrohungslage: Neue Angriffstechniken, etwa KI-gestützte Angriffe, erfordern kurze Aktualisierungszyklen. Der jährliche BSI-Lagebericht dokumentiert eine wachsende Professionalisierung der Angreifer. Fachkräftemangel: Qualifizierte Analysten sind knapp, deshalb setzen viele Organisationen zusätzlich auf externe Dienstleister oder Automatisierung. Aufwand und Tiefe: Die Analyse muss gründlich genug sein, ohne den laufenden Betrieb zu überfordern.
Bedrohungsanalyse: Fragen und Antworten
Was passiert bei einer Bedrohungsanalyse?Eine Bedrohungsanalyse identifiziert mögliche Bedrohungen für Systeme und Daten, bewertet ihre Eintrittswahrscheinlichkeit sowie ihr Schadenspotenzial und leitet daraus Schutzmaßnahmen ab. Warum ist eine Bedrohungsanalyse wichtig?Sie zeigt, welche Gefahren eine Organisation realistisch treffen können, und sorgt dafür, dass Sicherheitsressourcen an den wirksamsten Stellen eingesetzt werden. Worin unterscheidet sich die Bedrohungsanalyse von der Risikoanalyse?Die Bedrohungsanalyse betrachtet mögliche Ursachen wie Angreifer und Schadprogramme, während die Risikoanalyse daraus zusammen mit Schwachstellen und Auswirkungen ein Gesamtrisiko ableitet. Welche Methoden gibt es für Bedrohungsanalysen?Verbreitet sind STRIDE, die Cyber Kill Chain, das MITRE-ATT&CK-Framework sowie die 47 elementaren Gefährdungen aus dem IT-Grundschutz-Kompendium des BSI. Wie oft sollte eine Bedrohungsanalyse durchgeführt werden?Regelmäßig, etwa jährlich, sowie zusätzlich bei größeren Änderungen der digitalen Landschaft oder der Bedrohungslage. Viele Organisationen etablieren sie als kontinuierlichen Prozess. Wer führt eine Bedrohungsanalyse durch?Meist Sicherheitsverantwortliche wie der CISO oder Informationssicherheitsbeauftragte gemeinsam mit den Fachabteilungen, bei Bedarf unterstützt durch externe Spezialisten. Welche Rolle spielt Threat Intelligence bei der Bedrohungsanalyse?Cyber Threat Intelligence liefert aktuelle Informationen über Angreifergruppen und ihre Methoden und macht die Analyse dadurch deutlich realistischer. Welche Werkzeuge unterstützen eine Bedrohungsanalyse?Unter anderem Threat-Intelligence-Plattformen, Schwachstellen-Scanner, SIEM-Systeme und Threat-Modeling-Tools. Was ist eine Gefahrenanalyse?Gefahrenanalyse ist ein Synonym für Bedrohungsanalyse und bezeichnet denselben systematischen Prozess. Ist eine Bedrohungsanalyse gesetzlich vorgeschrieben?Regularien wie NIS-2 und Standard wie ISO 27001 verlangen einen risikobasierten Sicherheitsansatz, zu dem eine Bedrohungsanalyse praktisch immer gehört. Quellenangabe: BSI:https://www.bsi.bund.de/SharedDocs/Downloads/DE/BSI/Grundschutz/BSI_Standards/standard_200_3.pdf BSI: https://www.bsi.bund.de/DE/Themen/Unternehmen-und-Organisationen/Standards-und-Zertifizierung/IT-Grundschutz/IT-Grundschutz-Kompendium/it-grundschutz-kompendium_node.html NIST: https://csrc.nist.gov/glossary/term/threat_assessment_analysis NIST: https://csrc.nist.gov/pubs/sp/800/30/r1/final Microsoft: https://learn.microsoft.com/en-us/previous-versions/commerce-server/ee823878(v=cs.20) Lockheed Martin: https://www.lockheedmartin.com/en-us/capabilities/cyber/cyber-kill-chain.html MITRE: https://attack.mitre.org/ Verwandte Einträge: https://norbert-pohlmann.com/glossar-cyber-sicherheit/cyber-sicherheitsgefahr/ https://norbert-pohlmann.com/glossar-cyber-sicherheit/cyber-sicherheitsrisiko/ Autor: Prof. Dr. Norbert Pohlmann Informatikprofessor für Cyber-Sicherheit und Leiter des Instituts für Internet-Sicherheit, der Westfälischen Hochschule. Stand: 25. August 2026
Weitere Informationen zum Begriff “Bedrohungsanalyse”:
„Relevanz von Werten für den Einsatz von KI“
„Die Lage der Cybersicherheit in Deutschland im internationalen Vergleich“ „Digitale Verantwortung ist (IT)-Sicherheit ein Wert oder benötigen wir Werte für die IT-Sicherheit?“
„Lehrbuch-Cyber-Sicherheit“
„Übungsaufgaben und Ergebnisse zum Lehrbuch-Cybersicherheit“ „Bücher im Bereich Cyber Security und IT-Sicherheit zum kostenlosen Download“
„Vorlesungen zum Lehrbuch-Cyber-Sicherheit“
„Forschungsinstitut für Internet-Sicherheit (IT-Sicherheit, Cybersicherheit)“
„Master-Studiengang Internet-Sicherheit (IT-Sicherheit, Cybersicherheit)“ „Marktplatz IT-Sicherheit“ „IT-Notfall- Marktplatz IT-Sicherheit“ „IT-Sicherheitstools – Marktplatz IT-Sicherheit“ „Selbstlernangebot – Marktplatz IT-Sicherheit“ „Köpfe der IT-Sicherheit – Marktplatz IT-Sicherheit “ „Vertrauenswürdigkeits-Plattform“
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Summary Article NameBedrohungsanalyse DescriptionEine Bedrohungsanalyse identifiziert potenzielle Bedrohungen für IT-Systeme, bewertet Eintrittswahrscheinlichkeiten und Schadenspotenzial und liefert die Grundlage für gezieltes Risikomanagement und wirksame Schutzmaßnahmen. Author Prof. Norbert Pohlmann Publisher Name Institut für Internet-Sicherheit – if(is) Publisher Logo |