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Tracking im Internet und Selbstdatenschutz - Prof. Dr. Norbert Pohlmann

Tracking im Internet und Selbstdatenschutz

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Norbert Pohlmann  (Institut für Internet-Sicherheit):,
„Tracking im Internet und Selbstdatenschutz“.
digma – Zeitschrift für Datenrecht und Informationssicherheit,
Heft 4,
Dezember 2014

Die Sicherheitsprobleme werden größer, unsere Privatsphäre ist in Gefahr!  Kann der Selbstdatenschutz helfen?
Das Internet mit seinen vielfältigen innovativen Möglichkeiten hat eine hohe Relevanz in unserer modernen Gesellschaft erreicht, die noch weiter steigen wird.
Seit dem Beginn des Internets beobachten wir, dass die IT-Sicherheitsprobleme immer grösser und grösser werden, nicht kleiner. Die Probleme sind mit der NSA-Affäre nochmals grösser geworden. Das heisst, wir haben ein starkes Ungleichgewicht zwischen Angreifern und Verteidigern. Bei der kritischen Beurteilung der aktuellen IT-Sicherheitssituation fallen einige Sicherheitsprobleme besonders deutlich auf, die berücksichtigt werden sollten, um mehr IT-Sicherheit und Vertrauenswürdigkeit aufzubauen. Diese zurzeit besonderen Sicherheitsprobleme sind:

  • Zu viele Schwachstellen in Software;
  • ungenügender Schutz vor Malware;
  • immer noch werden Passwörter für die Authentifikation im Internet verwendet;
  • zu viele unsichere Webseiten im Internet;
  • neue Gefahren durch die Nutzung mobiler Geräte;
  • zu wenige E-Mails werden verschlüsselt übertragen;
  • zu wenig Internet-Kompetenz der Internet-Nutzer, um sich angemessen und sicher im Internet zu bewegen;
  • Manipulation der IT und IT-Sicherheitstechnologien durch die NSA, usw.

Das Geschäftsmodel «Bezahlen mit persönlichen Daten» ist eine besondere Herausforderung bezüglich des Datenschutzes. Soziale Netzwerke wie Facebook, Partnerbörsen, YouTube, XING, LinkedIn, Twitter und Co. bringen Nutzer aus verschiedenen Gesellschaftsgruppen zusammen und ermöglichen den Nutzern, sich darzustellen und sich real zu begegnen. Soziale Netzwerke schaffen auch neue Wege, Demokratie und Bürgerbeteiligungen zu gestalten, was eine neue und ungewohnte Herausforderung für alle Beteiligten darstellt. Ausserdem bringen Soziale Netzwerke die Diskussion über die informationelle Selbstbestimmung und den Datenschutz auf. Eine Frage dazu ist, inwieweit Internet-Angebote zu tolerieren sind, bei denen wir nicht mit Geld, sondern mit unseren persönlichen Daten bezahlen. Wir lassen es mit dem Akzeptieren der AGBs zu, dass die Anbieter über Profilbildungen indirekt Geld verdienen können. Aus dem Tracking von persönlichen Daten der Nutzer erstellen Betreiber sozialer Netze Nutzerprofile, die für den Verkauf von Waren und Dienstleistungen genutzt werden, weil sie passgenaue, individualisierte Werbung ermöglichen. Zielgenaue Werbung lassen sich die Betreiber vieler sozialer Netzwerke durch das Schalten von individualisierten Anzeigen gut bezahlen. Dieses Prinzip «Bezahlen mit persönlichen Daten» wird auch bei anderen Diensten wie Suchmaschinen, E-Mail-Diensten und Nachrichten-Diensten angewendet. Aber auch im Bereich von E-Commerce, wie beispielsweise beim Online-Versandhaus Amazon, werden personenbezogene Daten, erhoben, gespeichert und ausgewertet, um den Kunden individuelle Angebote machen zu können[i]. Hier werden unsere wichtigen und notwendigen Persönlichkeitsrechte sehr stark berührt. Die Herausforderung in diesem Bereich ist, die Aufklärung der Nutzer über die Risiken und eine gemeinsame angemessene Lösung mit den Anbietern von sozialen Netzwerken zu finden und umzusetzen. 

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Tracking im Internet und Selbstdatenschutz Prof. Dr. Norbert Pohlmann - Cyber-Sicherheitsexperten