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Vertrauen – ein elementarer Aspekt der digitalen Zukunft - Prof. Dr. Norbert Pohlmann

Vertrauen – ein elementarer Aspekt der digitalen Zukunft

Vertrauen - ein elementarer Aspekt der digitalen Zukunft

U. Coester, N. Pohlmann:
„Vertrauen – ein elementarer Aspekt der digitalen Zukunft”,
DuD Datenschutz und Datensicherheit – Recht und Sicherheit in Informationsverarbeitung und Kommunikation,
Vieweg Verlag,
2/2021

Die digitale Evolution schreitet unaufhaltsam voran. Das führt auch zu der Konsequenz, dass die innovativen Technologien und somit die gesamte Internet-/IT-Infrastruktur nicht nur zunehmend vielschichtig, sondern auch intransparent wird. Daraus resultiert ein gravierendes Dilemma: gegenläufig zu dem steigenden Einsatz sinkt das Wissen über deren Hintergründe und Zusammenhänge. Dies könnte im Weiteren zu folgender Handlungsalternative führen – entweder unverhältnismäßige Ablehnung der Technologie und entsprechender Dienste oder blindes Vertrauen. Beides verhindert eine sinnvolle Nutzung neuer Anwendungen oder innovativer Dienste – auch wenn Vertrauen, im Sinne des Soziologen Niklas
Luhmann, grundsätzlich positiv konnotiert ist. Denn gemäß seiner Definition ist Vertrauen ein Mechanismus der Komplexitätsreduktion – also etwas, wodurch sich das Leben leichter gestalten lässt. Doch sollte hier die Interpretation im Sinne des Philosophen und Soziologen Georg Simmel weiter präzisiert werden. Dieser sieht „Vertrauen als einen Zustand zwischen Wissen und Nicht-Wissen, als eine Hypothese künftigen Verhaltens“, auf die Menschen ihr konkretes Handeln gründen. Das zeigt die Relevanz von Vertrauen beim Einsatz innovativer Technologien und unterstreicht gleichzeitig die Notwendigkeit, dass Unternehmen vertrauenswürdig agieren müssen, damit dieses auch gerechtfertigt ist.

Einführung
Bevor innovative Technologien, im Sinne von Anwendungen und Diensten, eine breite Akzeptanz in der Gesellschaf allgemein sowie beim Nutzer im speziellen erfahren, müssen bestimmte Rahmenbedingungen erfüllt sein. Ein Kriterium und ebenso ein entscheidender Erfolgsfaktor, über den ein hoher Grad an Zustimmung zu erreichen ist, wird hierbei zukünfig die Vertrauenswürdigkeit der Hersteller und Anbieter sein. Diese Hypothese lässt sich inter alia erst einmal allgemein daraus ableiten, dass die Art und Weise wie die großen Technologie-Konzerne agieren zunehmend in weiten Kreisen auf Kritik stößt. Dass diese skeptische Einschätzung vonnöten ist und letztendlich auch gerechtfertigt zu sein scheint, belegen unter anderem die Gegenreden in der vor kurzem erfolgten Anhörung von Apple, Google, Amazon und Facebook. Hier wurde etwa der Gründer von Amazon befragt, „ob Amazon Daten von Händlern nutze, die Waren auf der Plattform des Konzerns verkaufen, um ihnen mit ihren eigenen Produkten Konkurrenz zu machen“. Die Antwort von Jef Bezos lautete sinngemäß, dass es dagegen zwar Regeln gäbe, er aber nicht garantieren könne, ob diese auch eingehalten würden.
Dass Machtmissbrauch nicht länger akzeptiert wird zeigt sich am Beispiel von Facebook, die konkret Auswirkungen auf mehrere Fehlverhalten, unter anderem im Kontext von Cambridge Analytica, in 2019 zu spüren bekamen: im vergangenen Jahr rangierte das Unternehmen nicht mehr unter den Top 10 der globalen Brands sondern rutschte von Platz 9 in 2017 auf den Platz 14 – der Marktwert war in diesem Zeitraum um knapp 9 Milliarden
gesunken.
In der Konsequenz daraus muss jetzt ein Diskurs eingeleitet werden, um die Fragestellung zu beantworten, wer was zu tun hat beziehungsweise was notwendigerweise zu tun ist, um Vertrauen und damit Akzeptanz bei den Nutzern aufzubauen. Entsprechende Maßnahmen zu ergreifen ist im Weiteren defnitiv unumgänglich. Dies gilt jedoch nicht nur für die großen Technologie- Konzerne, sondern prinzipiell für jedes Unternehmen, das innovative Lösungen für die vernetzte Informations- und Wissensgesellschaft offeriert.

Weitere Informationen zum Thema “Vertrauen – ein elementarer Aspekt der digitalen Zukunft”:


Artikel:
„Künstliche Intelligenz und Cybersicherheit – Unausgegoren aber notwendig“

„Sei gewarnt! Vorhersage von Angriffen im Online-Banking“

„Ethik und künstliche Intelligenz – Wer macht die Spielregeln für die KI?“

„Artikel: Künstliche Intelligenz und Cybersicherheit“

Vorträge:
„Sicherheit und Vertrauenswürdigkeit von KI‐Systemen“

“Artificial Intelligence (AI) for Cyber Security”

“Künstliche Intelligenz und Cyber-Sicherheit – Workshop”

Enquete‐Kommission Künstliche Intelligenz:
Thesen und Handlungsempfehlungen zum Thema „Sicherheit und Vertrauenswürdigkeit von KI‐Systemen“

Diskussionsgrundlage für den Digitalgipfel 2018:
“Diskussion: Künstliche Intelligenz und Cybersicherheit”

eco-Studie:
Potenzial von künstlicher Intelligenz (KI) für die deutsche Wirtschaft im Jahr 2025

Glossareintrag: Vertrauen, Vertrauenswürdigkeit

Informationen über das Lehrbuch: „Cyber-Sicherheit“

kostenlos downloaden
Vertrauen - ein elementarer Aspekt der digitalen Zukunft
Vertrauen – ein elementarer Aspekt der digitalen Zukunft Prof. Dr. Norbert Pohlmann - Cyber-Sicherheitsexperten